49. Offenes Antifaschistisches Treffen

Räume des Erinnerns schaffen! – Podiumsgespräch mit der Soligruppe 9. Oktober zum antisemitischen, rassistischen und antifeministischen Anschlag von Halle und Wiedersdorf | 20. August 2026 | 19 Uhr | Offene Arbeit (Allerheiligenstraße 9; Erfurt)

Am 09. Oktober 2019 ereignete sich der rechtsterroristische Anschlag von Halle und Wiedersdorf, bei dem zwei Menschen ihr Leben verloren. In dem Prozess im darauf folgenden Jahr nahmen die Überlebenden beispiellose Mühen auf sich, um auf die omnipräsente Gefahr von Rechtsterrorismus, die Rolle der antisemitischen, rassistischen und antifeministischen Ideologie des Täters sowie deren Verankerung in der Gesellschaft aufmerksam zu machen. Sie kreideten das staatliche Versagen im Umgang in all diesen Bereichen an.
Etwa ein Jahr nach dem Anschlag wurde der Täter zur Höchststrafe verurteilt: lebenslange Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung. Doch der staatliche und gesellschaftliche Wandel, der zur Prävention rechtsterroristischer Anschläge nötig wäre, bleibt aus.
Die Ursachen hierfür sind auf verschiedenen Ebenen zu suchen. Zum einen weist der Prozess eklatante Lücken auf: Das Versagen der Polizei während und unmittelbar nach dem Anschlag wurde ebenso wenig hinlänglich aufgeklärt wie die lückenhafte Ermittlungsarbeit der Polizeibehörden im Nachgang an die Tat. Die rassistischen Mordversuche an Aftax I. und İsmet Tekin wurden nicht anerkannt. Das Bild des Einzeltäters blieb trotz etlicher Indizien auf eine breite Online-Vernetzung nahezu unangetastet. Auch berichten Überlebende wie sie mit extremen Hürden zu kämpfen hatten, um ausreichend psychologische und finanzielle Unterstützung zu erlangen.
Des Weiteren nahm auch das öffentliche Interesse an den Betroffenen rasant ab, nachdem der Prozess beendet war. Doch die Grundlage für Taten wie den Anschlag von Halle bestehen weiter: Antisemitismus, Rassismus und Antifeminismus sind tief gesellschaftlich verankert und bieten einen Nährboden für rechte Ideologien. Dies schlägt sich auch in den steigenden Zustimmungswerten der AfD in Sachsen-Anhalt sowie im Rest von Deutschland nieder.
Wie kann es gelingen, Überlebende und Angehörige von Opfern rechten Terrors angemessen und solidarisch zu unterstützen? Was müssen Gesellschaft und Staat leisten, um Taten wie denen von Halle vorzubeugen? – Fragen wie diese werden wir bei unserem Podiumsgespräch „Räume des Erinnerns schaffen!“ besprechen. Hierfür sprechen wir mit Nathan B. (Überlebender des antisemitischen, rassistischen und misogynen Terroranschlags in Halle und Wiedersdorf an Yom Kippur 5780, dem 9. Oktober 2019 und Mitglied der Soligruppe 9. Oktober) und Rachel Spicker (Systemische Beraterin, Prozessbegleiterin, Unterstützerin und Mitglied der Soligruppe 9. Oktober ). Beide setzen sich seit Jahren in der Soligruppe 9. Oktober für Aufarbeitung, solidarische Unterstützungsarbeit und gesellschaftlichen Wandel ein.
Hinweis: Für eine solidarische Betroffenenunterstützung braucht es Geld! Deshalb sammeln wir am 20. August Geld für die Soligruppe 9. Oktober und das TEKİEZ (Raum des Erinnerns und der Solidarität in Halle). Wenn ihr also etwas entbehren könnt, wäre es toll, wenn ihr eine kleine Spende mitbringt.

Sommerpause im Juli

Liebe Genoss*innen im Juli machen wir als OAT Orga eine kleine Sommerpause zum erholen und Kraft tanken.

Unsere nächsten Oats sind am 20.08. zum Anschlag in Halle am 09.10.19 und am 25.09. wird das ausgefallen oat zu antifaschistischen Prozessbeobachtung nachgeholt.

Alternativ könnt ihr im Juli zu anderen super spannenden Veranstaltungen in und um Erfurt gehen:

Am 30.07.2026, 19:00 Uhr, ERFURT (Ort wird noch bekannt gegeben) Revolutionär im Stadtteil? – Diskussionsveranstaltung mit Vogliamo Tutto und Frederik Fuß in Erfurt
Mehr Infos zu der Veranstaltung: https://spektakel.org/

andere linke Termine findet ihr unter anderem unter
https://thermine.arranca.de/

Bleibt stabil und lieb, wir sehen uns im August❤️🖤❤️

⚠️ 26.06.26 – OAT Update: statt Input gibt’s Picknick

Leider fallen der Input beim OAT und der Anschluss-Workshop zu antifaschistischer Prozessbegleitung aus gesundheitlichen Gründen aus. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben! Es wird einen Nachholtermin geben.

Stattdessen wollen wir uns Freitag ab 19 Uhr zum antifaschistischen Picknick treffen. 🖤❤️🔥 Dabei tauschen wir uns gerne locker aus über Prozessbegleitung, verabreden uns für Besuche aktueller Gerichtsverfahren und hören voneinander, was anliegt und uns und euch bewegt.

Bringt gerne was zum Essen und Trinken mit – und Badesachen, wenn ihr Abkühlung sucht – Wasser wird nicht weit sein. 🐳 Treffpunkt auf Nachfrage!

Workshop zum Offenen Antifaschistischen Treffen

Am 27.06. schließt ein Workshop ans OAT an: Es geht um Prozessbegleitung als antifaschistische Praxis.

Toll wäre, wenn wir aus dem Wissens- und Erfahrungsaustausch Skills und Schwung mitnehmen, um künftig in Erfurt und Thüringen Gerichtsprozesse (besser) antifaschistisch zu beobachten, begleiten, dokumentieren. Teilt die Einladung mit Genoss*innen!

🛠️ Im praxisorientierten Workshop sprechen wir ausführlich über Fragen wie:

  • Was meint rechter Terror im Kontext von Gerichtsprozessen?
  • Wie können solidarische Strukturen solche Prozesse begleiten?
  • Welche Aufgaben gibt es?
  • Wie lässt sich eine Prozessdokumentation realisieren?
  • Wie können Betroffene bestmöglich durch solidarische Strukturen unterstützt werden?

💌 Um grob einzuschätzen, wie viele wir werden: Schreibt uns gerne eine Nachricht oder E-Mail, wenn ihr zum Workshop kommt. Danke!

⏰ Zeit: 27.06. 11 bis ca. 16 Uhr, mit ausgiebiger Pause.
📍Ort: Naturfreundehaus “Charlotte Eisenblätter”, Johannesstraße 127

48. Offenes Antifaschistisches Treffen

OAT am 26.06.2026 um 19 Uhr im Queeren Zentrum Erfurt

❤️🖤🔎 WIR STEHEN DAS ZUSAMMEN DURCH! Antifaschistische Prozessbegleitung

In Thüringen finden immer wieder größere Prozesse gegen extrem rechte Strukturen statt – z.B. der Ballstädt-Prozess, der Prozess gegen die Neonazis von Knockout51 oder auch der aktuell in der zweiten Runde laufende Fretterode-Prozess. In zahlreichen Gerichtsprozessen sagen Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt aus und sind teils vertreten durch die Nebenklage im Verfahren.

Was bedeutet im Angesicht von rechtem Terror und Gewalt eine antifaschistische, solidarische Prozessbeobachtung? Warum brauchen wir sie?

Wir sprechen über lokale Beispiele und fragen: Wie schaffen wir unsere eigene Gegenöffentlichkeit? Wie sichern wir Bewegungswissen?

Antifaschistische Prozessbegleitung heißt: Kein Vergeben, kein Vergessen!

📎❣️ Am 27.06. um 11 Uhr gibt es einen praxisorienten Anschluss-Workshop zu antifaschistischer Prozessbegleitung.
Ort folgt!